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Am Nachmittag des 20. Juni versammelten sich im Kulturpavillon der Deutsch-Chinesischen Promenade in Shenyang Architekten aus Deutschland und China um darüber zu diskutieren, wie die Architektur von Städten das Leben der Städter beeinflusst. An der Diskussion beteiligt waren Dieter Hassenpflug, Professor für Soziologie und Sozialgeschichte der Stadt an der Bauhaus-Universität Weimar, Alexander Schmidt, Professor am Institut für Stadtplanung + Städtebau der Universität Duisburg-Essen, sowie der Designer der Bambuspavillons der Deutsch-Chinesischen Promenade, Markus Heinsdorff.
Die Unterschiede zwischen deutscher und chinesischer Architektur Anhand eines Satelliten-Projekts in Shanghai erklärt Dieter Hassenpflug den Unterschied chinesischer und deutscher Architekturkonzepte und wie dieser Unterschied in der Stadtplanung zum Vorschein kommt. Vor acht, neun Jahren sollten im Umkreis der Stadt Shanghai eine Reihe von Satellitenstädten gebaut werden, um die Einwohnerdichte innerhalb der Metropole zu senken. Der Plan war, dass in der näheren Umgebung Shanghais ein Dutzend idyllischer Dörfer gebaut werden sollten, und das jedes Dorf einen klassisch europäischen oder außer-europäischen Baustil imitieren sollte.
Die Stadt im deutschen Baustil trägt den Namen „Neu Anting“. Obwohl klein, verfügt sie doch über alle notwendigen Annehmlichkeiten und kleine Besonderheiten, wie einen Marktplatz im Zentrum, eine Kirche und ein Rathaus. Fast so, als würde man sich in Europa befinden, zeigen sich kein Anzeichen chinesischer Architektur, wie etwa die Nord-Süd-Ausrichtung der Gebäude und Straßen. Mit anderen Worte, während man mit Neu Anting den deutschen Architekturstil nach China brachte, dachte man nicht eine Minute daran, die ursprünglichen Vorstellungen und Maßstäbe der chinesischen Architektur zu berücksichtigen, weshalb heute niemand dort wohnen möchte, so Hassenpflug.
Dann stellt der Soziologe als Gegenbeispiel die von Briten entworfene Stadt „Thames“ vor. Die Gestaltung und das Konzept von Thames ist ein völlig anderes als das von Neu Anting. Die britischen Architekten haben sich am chinesischen Stil orientierten und einen Mittelweg gefunden, einen chinesischen Gebäudekomplex unter britischem Mantel, so Hassenpflug. Anhand einer Illustration erklärt er das architektonische Konzept der kleinen Siedlung. Das Zentrum bildet eine, einer Bühne gleichende, Freifläche. Sie ist Teil der Innenstadt und ein Ort für Handel und das öffentliche Leben. Im Zentrum gibt es keinen Wohnraum, die Gebäude im europäischen Stil sind Orte für das kommerzielle, das gesellschaftliche und das wirtschaftliche Leben. In der Umgebung des Zentrums wurden, den Lebensgewohnheiten der Chinesen entsprechende, verhältnismäßig abgeschlossene Wohnanlagen gebaut. So entsteht eine klare Trennung zwischen offenem Raum für die Allgemeinheit und abgeschlossenen Wohnraum für den Privatmenschen.
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