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Magazin Deutschland: Urbanisierung im Mittelpunkt
Datum: 8.Jan. 2009    
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Bei der dritten Station der auf drei Jahre angelegten Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ stand das Thema Urbanisierung im Mittelpunkt

Von Christopher Nielsen, 6. Januar 2009

„Halbzeit“ für „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“: Nach Nanjing 2007 und Chongqing im Frühjahr 2008 war Kanton, Hauptstadt der Provinz Guangdong, die dritte Station dieser auf drei Jahre bis 2010 angelegten Veranstaltungsreihe, der bisher umfassendsten Darstellung Deutschlands im Ausland. Zum Auftakt: Ein Konzert des Symphonieorchesters Kanton unter der Leitung des deutschen Dirigenten Peter Ruzicka in der voll besetzten Xinghai Konzerthalle; unter den Ehrengästen die Vizegouverneurin der Provinz, Lei Yulan, und der Staatssekretär des Berliner Auswärtigen Amtes, Peter Ammon. Auf dem Programm standen eine China-Premiere, Ruzickas eigene Komposition „Fünf Bruchstücke für große Orchester“, und Brahms Vierte Symphonie, die das Orchester mit Bravour zur Aufführung brachte. Jörg Widmann, einer der gefragtesten Klarinettisten der Gegenwart, war eigens für die Eröffnungsveranstaltung eingeflogen und spielte das vom Kantoner Publikum viel umjubelte Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart. „Als eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt hat Guangdong enge und beständig wachsende Verbindungen zu Deutschland“, erklärte Ammon in seiner Eröffnungsrede. „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ wolle Antworten auf die großen Fragen der Urbanisierung finden und „neue, konkrete Impulse für die Zusammenarbeit geben“, sagte er.

Herzstück der Veranstaltungsserie in Guangdong war die „Deutschlandpromenade“. Ein vielfältiges Programm aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft lud Chinesen ein, sich mit dem Thema „Nachhaltige Urbanisierung“ auseinanderzusetzen. Der rasante Urbanisierungsprozess stellt gerade China vor enorme Herausforderungen. Deutsche Unternehmen präsentierten deshalb in Guangdong ihre Ideen zu Themen wie umweltgerechte Stadtplanung, Energieeffizienz und Mobilität. Die „Deutschlandpromenade“ eröffnete Bernd Pfaffenbach, Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, das mit einem eigenen Pavillon auf der Promenade vertreten war und mit der Ausstellung „Digital City – Digital Life“ einen Blick auf die globalen Herausforderungen des städtischen Lebens im 21. Jahrhundert werfen ließ. Dazu gehörten innovative Konzepte, die darauf abzielen, wertvolle Ressourcen möglichst effizient zu nutzen. Informations- und Kommunikationstechnologien zählten dabei als Schlüsseltechnologien einer wissensbasierten Wirtschaft zu den wichtigsten Impulsgebern für Wirtschaftswachstum und die Entstehung neuer Arbeitsplätze, machte Bernd Pfaffenbach deutlich: „Die aus Verstädterung, schnellem Wachstum und Klimawandel resultierenden ökologischen Herausforderungen können nur mit modernsten Technologien gemeistert werden. Deutschland und China sind schon heute starke Partner.“ Der Pavillon des Wirtschaftsministeriums sollte auch neugierig machen auf den deutschen Beitrag „Balancity“ auf der 2010 unter dem Thema „Better City, Better Life“ in Shanghai stattfindenden Weltausstellung.

Weit über 100 Veranstaltungen gab es auf der Promenade – vom neuntägigen Open Air-Festival über Deutschkurse, Filmkunst, Fachkonferenzen wie zu „Corporate Social Responsibility“ bis hin zu Tanztheater und einer „Kinder-Uni“. Zwei Beispiele aus dem Programm, in das Chinesen bewusst einbezogen wurden, näher betrachtet: Die Kunstausstellung „begrenzt – unbegrenzt / urban spaces“ zeigte Werke chinesischer Künstler, die sich mit dem Thema „Lebensräume“ im weitesten Sinne auseinandersetzen. Der Künstler als Visionär und Chronist, als ein Mensch, der sich kreativ Gedanken um unsere Lebensräume macht oder sie in seiner persönlichen Art und Weise in seinen Werken reflektiert. Oder der „Grüne Spielplatz“ auf der „Deutschlandpromenade“, der Kindern nachhaltige Entwicklung auf unterhaltsame und lehrreiche Art vermitteln wollte. Er bot ein reichhaltiges interaktives Programm – vom Bauen von Bambushäusern bis zur „handgemachten Energieversorgung“, vom Malen zum spielerischen Umgang mit Recycling.

Einer von zahlreichen chinesischen Bloggern brachte es auf den Punkt: „Das Event ähnelt dem Konzept einer Weltausstellung mit dem Unterschied, dass hier deutsche Firmen die Wichtigkeit des Umweltschutzes präsentieren und dem Besucher substantielle Erkenntnisse liefern. Darüber hinaus habe ich zum ersten Mal das Zusammentreffen ausländischer und chinesischer Kultur erleben können; sehr erfrischend und herausfordernd.“ Botschafter Wolfgang Röhr merkte an, die bisherige Akzeptanz bei der chinesischen Bevölkerung in den drei Provinzen sei „außerordentlich hoch“ gewesen. „In Guangdong und zuvor in Chongqing und Nanjing hatten wir lange Schlangen vor den Pavillons, mehrere 100000 Menschen besuchten die Deutschlandpromenaden, und auch das Medienecho ist beeindruckend.“ Als bisherigen Höhepunkte sieht er das von 20 Millionen Chinesen am Fernsehen verfolgte Benefizkonzert zu Gunsten der Erdbebenopfer vom 17. Mai 2008 an, das unter dem Titel „Wir sind eine Familie“ gemeinsam mit der Stadt Chongqing veranstaltet wurde und zu einem Spendenaufkommen von zehn Millionen Euro führte, davon eine Million von der deutschen Regierung, 200000 von der deutschen Wirtschaft und 50000 von der Partnerstadt Düsseldorf. Die nächsten Stationen werden Shenyang im Mai/Juni und Wuhan im Oktober/November 2009 sein. Das Finale wird zur Expo 2010 in Shanghai stattfinden. Wolfgang Röhr: „Ich bin überzeugt, dass diese über drei Jahre dauernde Präsentation mit dem Höhepunkt in Shanghai die deutsch-chinesische Zusammenarbeit auf eine neue Ebene heben wird.“

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