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Schöner wohnen – ohne Auto
Hubei·Wuhan    I    Datum: 25.Sep. 2009
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Schlagworte: Nachhaltige Mobilität    Autofreies Wohnen    Vauban    Freiburg    
 
Autofreies Wohnen – keine Parkplatzsuche, kein Lärm, keine Abgase – für viele Deutsche inzwischen eine Wunschtraum. Oft fehlen aber Infrastruktur und die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel, um auch ohne Auto mobil zu sein. Dass das funktionieren kann, beweist eine Bürgerinitiative in der Stadt Freiburg (ca. 200.000 Einwohner) in einem Modellversuch. Seit 1997 entsteht auf einem 42 ha großen, ehemaligen Kasernenareal ein neuer, nutzungsgemischter Stadtteil. Das Gelände des so genannten „Modellstadtteils Vauban“ liegt am südlichen Stadtrand rund 3 km vom Zentrum entfernt. Das Ziel des Verkehrskonzeptes für Vauban: eine hohe Wohn- und Lebensqualität im Quartier und dabei besten Mobilitätsansprüchen gerecht werden. Die Planung hat eine gute Anbindung des Modellstadtteils an den öffentlichen Nahverkehr im Auge gehabt und sieht Räume bevorzugt für Menschen vor, die zu Fuß und mit Fahrrad mobil sind.

Heute wohnen in Vauban 5.500 Menschen in über 2.000 Wohnungen sowie Misch- und Gewerbeflächen in verdichteter Bauweise. Zu den wesentlichen Komponenten gehören: ein autoreduzierendes Mobilitätskonzept, Baugruppenprojekte und genossenschaftliches Bauen, gemeinschaftliche Planungsprozesse, nachhaltige Wasserbewirtschaftung, Bauabfallmanagement sowie energiebewusstes Bauen. Der Verkehr im Quartier sollte auf ein Mindestmaß reduziert werden. Deswegen wird das Wohnen ohne eigenes Auto gezielt gefördert. In Deutschland gibt es beim Hausbau eine Pflicht zur Einrichtung von Auto-Abstellplätzen auf dem Grundstück. In Vauban dagegen sind Bauherren in einigen dafür ausgewiesenen Straßen von der Stellplatzpflicht befreit. Das kommt den autofreien Bewohnern direkt zugute, kostet ein Stellplatz doch zwischen 15.000 bis 20.000 Euro. Anstelle dieser Summe zahlen die „Autofreien“ lediglich eine Einlage von 3.700 Euro an den Stadtteil-Verein. Ende 2008 waren in Vauban rund 420 Haushalte als „autofrei“ registriert. Auf 1000 Einwohner entfallen in Vauban 210 Autos, im Rest Freiburgs sind es 367 und der Landesdurchschnitt liegt bei 524.

In Vauban haben Fußgänger Vorfahrt. Autofahrer dürfen nur Schritttempo fahren und sind zur Vorsicht verpflichtet, denn Fußgänger dürfen die Straßen in ihrer ganzen Breite benutzen, Kinderspiele sind überall erlaubt, das Parken außerhalb gekennzeichneter Flächen dagegen verboten, ausgenommen zum Ein- oder Aussteigen, zum Be- oder Entladen.

Die Folgen sind direkt spürbar: Bessere Luft, weniger Lärm und mehr Leben auf den Straßen. Vor allem Familien mit Kindern zieht es in diesen Stadtteil: 2007 waren 30 % der rund 5000 Bewohner unter 18 Jahre. Denn Kinder haben hier mehr Raum zum Spielen und zur Entfaltung als anderswo. In den verkehrsberuhigten Straßen im engen Wohnumfeld ist die Gefährdung durch den Autoverkehr stark gemindert. Doch wie bleiben die autofreien Haushalte in Vauban mobil? Zum einen gibt es den öffentlichen Nahverkehr, der eine Straßenbahnhaltestelle sowie Busverbindungen in die Innenstadt Freiburgs bietet. Viele Bewohner nutzen ihr Fahrrad oder greifen auf Car-Sharing zurück, ein Bestandteil des Verkehrskonzeptes Vauban. Hier teilt sich eine Gemeinschaft die Autos untereinander. Die Nutzung von Car-Sharing gilt im Sinne der Gesetzgebung nicht als regelmäßige Nutzung eines Autos. Deshalb können die autofreien Haushalte weiterhin stellplatzfrei wohnen.

Getrübt wird die Idylle nur durch Lieferverkehr (Handwerker, Pizzaservice, etc.) und einige Fälle von Missbrauch: Angesichts der hohen Kosten für einen Auto-Stellplatz entschlossen sich offensichtlich einige wenige Autonutzer, diese Ausgaben einzusparen und „versteckten“ ihr Auto in der Nachbargemeinde oder parkten einfach in Vauban auf der Straße.

Die autofrei lebenden Familien sind in den Augen vieler Freiburger noch Exoten. Doch die in den autofreien Straßen von Vauban aufwachsenden Kinder empfinden ihren Stadtteil und den Einsatz für Umweltschutz als Normalität.

Bildquelle: eRich Lutz, Freiburg

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